Social Media verändern den polnischen Fußball
Die Wahrnehmung des polnischen Fußballs und seines Umfelds hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert.

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Es ist kein Geheimnis, dass Fans die Arbeit eines Sportverbands und das Spiel der Fußballer an den Ergebnissen der Mannschaft messen. Noch vor ein paar Jahren, als die Nationalmannschaft schwache Ergebnisse einfuhr, bewerteten ¾ der Fans die Arbeit des PZPN, des Polnischen Fußballverbands, als schlecht. Diesmal haben sich die Rollen umgekehrt, und das Ergebnis hat sich um 180 Grad gedreht – wie Maciej Sawicki, Generalsekretär des Verbands, mehrfach betonte. Zum besseren Image haben auch zahlreiche Projekte rund um die Nationalmannschaft beigetragen. Das Portal laczynaspilka.pl hat die Kommunikation mit den Fans und die Zugänglichkeit der Spieler für die breite Öffentlichkeit deutlich verbessert.
Wer steckt hinter der Kommunikation des polnischen Fußballs?
Seit einigen Jahren erscheinen Videos von Łukasz Wiśniowski, die hinter die Kulissen blicken und auf dem offiziellen YouTube-Kanal LaczyNasPilka veröffentlicht werden. Außerdem entstanden zwei abendfüllende Filme über die Nationalmannschaft. Der eine zeigte den Weg zur Qualifikation für die Europameisterschaft 2016 in Frankreich und trägt den Titel „Początek“ („Der Anfang“), der zweite mit dem Titel „Chcę więcej“ („Ich will mehr“) handelte vom Turnier selbst. Seit diese Veränderungen eingeführt wurden, hat sich das Image des PZPN deutlich verbessert, und die Spieler selbst sind für jüngere Generationen zu Stars einer Serie über die polnische Nationalmannschaft geworden. Vor allem dadurch, dass die Spieler von ihrer menschlichen, privateren Seite gezeigt werden, kommen sie uns näher und wecken Sympathie. Die Spieler zeigen sich sehr locker und machen Witze über alle um sich herum – und auch über sich selbst.
–Im gesamten Projekt Łączy nas piłka ist die Rolle von Janusz Basałaj (Leiter der Abteilung für Medien und Kommunikation beim PZPN) entscheidend. Übertragen auf eine Konzernhierarchie ist er der Chefredakteur, der Boss, der Direktor und letztlich der Mensch, der für meine journalistische Entwicklung verantwortlich ist, denn ohne ihn wäre ich nicht bei Orange Sport und später beim PZPN gelandet. Genau Janusz hat ganz am Anfang unseres Projekts mit Trainer Nawałka gesprochen und die Regeln der Zusammenarbeit festgelegt. Er hat uns empfohlen und dem Trainer gesagt, dass wir vertrauenswürdige Leute sind. Da ich eng mit der Nationalmannschaft arbeite, werde ich wohl am stärksten mit Łączy nas piłka in Verbindung gebracht, aber für das gesamte Projekt ist ja Janusz Basałaj verantwortlich, denn Łączy nas piłka ist nicht nur ein YouTube-Kanal, sondern ein ganzes Portal, das während der Euro 2016 ganze 2 Millionen Unique User verzeichnete – sagte Łukasz Wiśniowski in einem Interview mit interia.pl.
Die Fußballwelt ist sich bewusst, wie wichtig soziale Netzwerke für die Kommunikation mit den Fans geworden sind. Über sie hat ein Fan engeren und ständigen Kontakt zum Verein und zu den Spielern, die er unterstützt. Er bekommt laufend Informationen und Vereinsnews und kann gleichzeitig mit ihnen ins Gespräch kommen. Eine der medienwirksamsten Figuren unter den Vertretern polnischer Fußballvereine ist der Präsident von Legia Warschau – Bogusław Leśnodorski. Oft verkündet er als Erster personelle Veränderungen auf wichtigen Posten im Verein oder die Verpflichtung bzw. den Verkauf eines Spielers. Die offizielle Information über das Ende der Zusammenarbeit mit Trainer Besnik Hasi erschien am schnellsten auf dem offiziellen Twitter-Account des Präsidenten.

Leśnodorski teilt auf Social Media immer wieder seine Gedanken zu Legia Warschau.

Fans bekommen Informationen aus erster Hand
Kommunikation im Internet ist zu einer Selbstverständlichkeit geworden – aus Sicht des einfachen Fans ebenso wie für Vertreter von Medien, Vereinen und Sportverbänden. Ich meine damit auch die Fußballer, die ihre Fans über Facebook, Instagram oder Twitter erreichen. So können sie ihnen Material hinter den Kulissen zeigen.
Auf Social Media finden wir nicht nur am schnellsten Informationen direkt von der Person, der wir folgen. Fußballer zeigen Selbstironie und teilen gern mal einen sprichwörtlichen Seitenhieb gegen ihre Kollegen aus. Umgangssprachlicher Spott findet hier ein breites Echo. Ein Beweis dafür ist das Modegeplänkel, das der Präsident des Polnischen Fußballverbands, Zbigniew Boniek, angezettelt hat. Bekannt für seinen Esprit und seinen eigenwilligen Blick auf die Welt, stichelte er auf Twitter gegen den modebegeisterten polnischen Nationalspieler Grzegorz Krychowiak und machte sich über dessen neuen Mantel lustig. Er spielte auch auf den ehemaligen polnischen Nationalspieler Jacek Bąk an, der einen großen Teil seiner Karriere in Frankreich verbracht hat und – wie Krychowiak – mit Mode nicht auf Kriegsfuß stand.

Krychowiak gegen Boniek – schlagfertige Antworten, die das Image prägen
Grzegorz Krychowiak, derzeit Spieler des französischen PSG, machte dem Präsidenten in seiner Antwort klar, dass es für eine gemeinsame Shoppingtour noch zu früh sei.

Die Krönung war Krychowiaks nächste Antwort an Zbigniew Boniek. Sie erwies sich als Volltreffer. Das Foto zeigte den PZPN-Präsidenten und sein Outfit aus den 80er-Jahren, als er noch aktiver Spieler war.

Das war nicht die einzige Stichelei von Präsident Boniek gegen Leute aus dem polnischen Fußball. Diesmal nahm sich der PZPN-Präsident auf der Hochzeit von Łukasz Wiśniowski den Journalisten Tomasz Ćwiąkała vor, den er gut leiden kann. Der Kommentator von Eleven Sports Network wurde mit einem Jungen verglichen – einem der Hochzeitsgäste.

Das Foto löste blitzschnell eine riesige Diskussion aus und zeigte erneut, dass Selbstironie die Grundlage und der Schlüssel zum Erfolg ist. Persönlich schätzt und mag Zbigniew Boniek Tomasz Ćwiąkała, was die Antwort des Kommentators beweist.

Solche Geschichten zeigen deutlich, wie die Fußballwelt Social Media gleichzeitig für Spaß und Promotion nutzen kann. Das ist Wasser auf die Mühlen aller Fans, die das zweifellos mit Wohlwollen verfolgen.
Selbstironie als Strategie
In das Modegeplänkel mit Krychowiak mischte sich auch sein langjähriger Kollege Wojciech Szczęsny ein. Der Spieler des italienischen Klubs AS Roma postete auf Instagram ein Foto mit einer besonderen Widmung.

Auf den Konter mussten wir nicht lange warten. Der polnische Mittelfeldspieler kommentierte prompt: „Mein Leben reicht nicht, um aus dir in Sachen Mode noch einen anständigen Menschen zu machen“
Es kommt vor, dass unsere Nationalspieler im Ligabetrieb auf dem Platz gegeneinander antreten. Szczęsny wäre nicht er selbst, wenn er seinen Konkurrenten von Borussia nicht auch auf Social Media aufziehen würde.

Lewandowski bewies Reaktionsschnelligkeit und Humor, und die Fans hatten ihren Spaß. Genau darum geht es doch.

Fußballer und Sportler zeigen, was Selbstironie bedeutet. Sie finden sich hervorragend in der virtuellen Welt zurecht und gewinnen so immer mehr Fans. Social Media bedeuten nicht nur schnellen Zugang zu Informationen, sondern auch jede Menge Spaß, gewürzt mit einer großen Portion Lachen – für Spieler wie für Fans. Das Beispiel der polnischen Nationalmannschaft zeigt, wie stark Social Media das Image prägen und dass nicht nur das Ergebnis zählt. Hunderttausende Follower auf den Accounts von Fußballgrößen, Sportvereinen et cetera ermöglichen blitzschnelle Kommunikation und das Ausspielen von Content an die Zielgruppe, vor allem aber helfen sie, das Interesse wachzuhalten und die Position als beliebteste Sportart des Landes zu behaupten – was angesichts der schwachen Ergebnisse keine leichte Aufgabe war. Umso mehr gebührt den Marketingleuten des PZPN ein Chapeau bas!
Zum Glück ist das inzwischen Vergangenheit: Mit der Sympathie und dem Respekt der Fans wachsen auch die Ergebnisse, und wir warten auf den WM-Titel.


